Das Forum Romanum 

Ein Rundgang im Zentrum der Welt der Antike

Forum Romanum - Überblick„Wahrhaftig“, schrieb der italienische Dichter Francesco Petrarca schon 1337, „größer ist Rom, als ich glaubte, größer sind allein die Trümmer! Schon verwundert mich nicht mehr, dass der Erdkreis von dieser Stadt unterworfen wurde.“

Da ist ausgesprochen, was wohl ein jeder beim Anblick des geschichtsträchtigen Forum Romanum empfindet. Den besten Überblick dafür gewinnt man von der Rückseite des Senatorenpalastes auf dem Kapitolinischen Hügel.

Zwei Wege führen vom Kapitolsplatz hinunter zum Forum, der eine davon ist die Via Sacra, die heilige Straße des alten Rom für Prozessionen und Triumphzüge. Hier bietet sich auf halber Höhe Gelegenheit, die Ruinen des Zentralplatzes des Imperium Romanum auf sich wirken zu lassen.

In der Antike war das ca. 480 Meter lange und 180 Meter breite Forum Romanum ein weiter Platz mit Basiliken, Tempel und Monumenten, auf dem sich das bürgerliche Leben der Stadt abspielte und der bis in die römische Kaiserzeit den unbestrittenen Mittelpunkt der Stadt darstellte.

Im 9. - 6. Jahrhundert v. Chr. diente das Tal als Begräbnisstätte außerhalb der Hügelsiedlungen. Das ursprünglich sumpfige Gelände war anfänglich von unzähligen Bächen durchzogen und wurde erst im Laufe der Zeit entwässert und nach und nach trockengelegt. Die erste Entwässerungsmaßnahmen führten die Etrusker im sechsten Jahrhundert v. Chr. durch. Der König Tarquinius Priscus ließ im dritten vorchristlichen Jahrhundert einen Abwasserkanal erbauen. Diese sogenannte Cloaca Maxima ist bis heute in Gebrauch.

Nach der Trockenlegung wurde das Gebiet des Forums dank seiner zentralen Lage zwischen dem Palatin, dem Kapitol, dem Quirinal und dem Esquilin, vier der sieben Hügel Roms, zu einem Treffpunkt der Bewohner der Stadt, die hier einen idealen Ort für den Güteraustausch fanden. Nach und nach wurden hier Läden, Tempel und Basiliken errichtet, und bald schon wurde der Platz zum Stadtmittelpunkt, auf dem sich nun auch das politische und religiöse Leben abspielte. Hier wurden Volks- und Senatsversammlungen abgehalten, hier fanden die Wahlen der Magistratsbeamten statt, hier wurde Recht gesprochen, hier wurden religiöse Zeremonien abgehalten.

Im Jahre 283 n. Chr. wurde das Forum bei einem großen Brand stark zerstört. Unter Kaiser Diokletian wurden umfassende Restaurierungen vorgenommen, doch der Verfall des Forums war wegen der Barbareneinfälle und der ständigen Entnahme von Baumaterial für Privatgebäude und Befestigungen nicht mehr aufzuhalten.

Schließlich verkam das einst so stolze Forum zur Viehweide. Erst im ausgehenden 18. Jahrhundert begannen systematische Ausgrabungen, die auch heute noch nicht abgeschlossen sind.

Forum Romanum Plan Karte

Carcer Mamertinus - Mamertinischer Kerker Forum RomanumAm Fuße des Kapitolinischen Hügels, Richtung Forum, dienten zwei übereinanderliegende Gebäudekomplexe seit dem vierten Jahrhundert v. Chr. als Staatsgefängnis. Es wurde Carcer Mamertinus genannt. In ihm wurde u.a. der numidische König Jugurtha (104 v. Chr.), die Mitverschwörer des Catilina und Vercingetorix, der Anführer der Gallier gegen Cäsar gefangen gehalten.


Die christliche Legende sieht an diesem Ort die beiden Apostel Paulus und Petrus in Gefangenschaft. Mit Quellwasser aus dem Tullianum, dem unteren Bereich des Gefängnisses, soll Petrus seine beiden Wächter getauft haben. Dieser Tradition gedenkend wurde dort die Kapelle San Pietro in Carcere errichtet. (vgl. hierzu  Petrus)

Tempel des VespasianIn der Nähe der Rostra (s. u.) befand sich der Tempel der Concordia. Sie war die Göttin der Eintracht; ihr wurden nach Beendigung innenpolitischer Zwistigkeiten Heiligtümer geweiht. Der Tempel am Forum wurde 367 v. Chr. von Camillus gegründet, als die sogenannten Licinischen Gesetze den Kämpfen zwischen Patriziern und Plebejern ein Ende setzten. Vom Tempel der Concordia sind nur noch die Grundmauern erhalten.

Neben dem Tempel der Concordia lag der Tempel des Kaisers Vespasian, von dem nur noch drei Säulen mit korinthischen Kapitellen erhalten sind. 

Wiederum daneben befand sich das Heiligtum der Dei Consentes, der zwölf obersten Gottheiten des alten Rom (Jupiter, Juno, Minerva, Neptun, Apollo, Diana, Mars, Venus, Vulkan, Vesta, Merkur und Ceres).

Das Heiligtum bestand aus drei Tempeln und lag etwas erhöht am Hang des Kapitolinischen Hügels. Von diesen drei Tempeln ist aber so gut wie nichts mehr erhalten geblieben.

Basilica Aemilia auf dem Forum Romanum

Unser Rundgang auf dem eigentlichen Forum beginnt an den Resten der Basilica Aemilia. Der einst prächtige Bau wurde 179 v. Chr. im Auftrag der beiden Zensoren Marus Aemilius Lepidus und Marcus Fulcius Nobilior erbaut und von anderen Mitgliedern des Geschlechts der Aemilii erweitert. Die Basilica Aemilia war ein 100 Meter langer dreischiffiger Bau mit einer allein 70 Meter langen Aula. 

Das Wort basilica heißt eigentlich (Gerichts-)Halle und ist abgeleitet von dem griechischen Wort basilikos, d.h. königlich. Mit dem Begriff „basilica“ verband sich im antiken Rom ein rechteckiger Bau mit einem gewaltigen Mittelschiff, der Aula, an das sich links und rechts, durch zwei oder vier Säulenreihen abgesetzt, je ein bzw. zwei Seitenschiffe anschlossen. Die römische Basilika galt auch als Vorbild für die spätere christliche Basilika.


Die Curia (rechts) und der Bogen des Septimius SeverusVon der Basilica Aemilia aus führt die Via Sacra Infima zur Curia (wahrscheinlich etymologisch von co-viria = Männervereinigung), dem Sitzungsgebäude des Senats. Die heute erhaltene Curia hatte mehrere Vorgängerbauten, deren erster bereits unter dem dritten römischen König Tullius Hostilius erbaut und deshalb auch Curia Hostilia genannt wurde. Zerstörungen durch Brände machten mehrmalige Neurrichtungen und Veränderungen nötig. Zu den Bauherren zählten Sulla, Caesar, der das ganze Forum Romanum neu gestaltete, Diokletian und Julian Apostata. Den heutigen Bau ließt Konstantin der Große 303 n. Chr. ausführen. Im 7. Jahrhundert wurde die auch im Altertum innen und außen schlichte Curia von Papst Honorius I. in die Kirche Sant'Andriano umgewandelt und blieb deshalb als einziges Bauwerk des Forums vollständig erhalten. Von 1931 bis 1937 wurden bei einer gründlichen Restaurierung alle in nach-diokletianischer Zeit vorgenommenen Veränderungen beseitigt.Der 27 x 18 Meter große Saal, einst Entscheidungsstätte für etwa 300 Senatoren war mit einem farbigen Marmorfußboden ausgestattet, dessen Bruchstücke noch von vergangener Schönheit zeugen. Auch sind seitlich je drei Marmorstufen erhalten, auf denen einst die Holzsitze der Senatoren standen.

Anaglypha Traiani - Die Schranken Trajans in der Curia auf dem Forum Romanum

Die Anaglypha Traiani.


In der Curia sind auch die Anaglypha Traiani, die sog. Schranken Trajans zu sehen. Es handelt sich dabei um die seitlichen Brüstungen der rostra, der Rednertribüne vor der Curia (s. u.). Sie zeigen Reliefdarstellungen wichtiger Unternehmungen des Kaisers Trajan, aber auch feierliche Tieropfer zu Ehren des Kriegsgottes Mars.

Die Bronzetore der Curia sind Kopien, da Borromini die Originale in das Mittelportal der Lateranskirche einbauen ließ.

Der Platz vor der Curia war das Comitium. Hier versammelte sich das römische Volk zur Wahl der Amtspersonen, hier wurde auch über die wichtigsten politischen Fragen entschieden. 

Auf dem Comitium bezeichnet ein schwarzer Marmorblock - Lapis Niger genannt - das vermutliche Grab des Romulus, Namensgeber und sagenhafter Gründer Roms. Unmittelbar daneben ist auf einem Tuffsteinpfeiler eine Inschrift aus dem 6. vorchristlichen Jahrhundert  zu lesen, die zu den ältesten bisher gefundenen zählt. Sie verkündet wahrscheinlich ein heiliges Gesetz (lex sacra), das vor der entweihenden Profanisierung dieses Gedenkorts warnt, der also schon in ältester Zeit als heilig und verehrungswürdig galt.

Bogen des Septimius Severus auf dem Forum RomanumÜber die Via Sacra Infima spannt sich der Bogen des Septimius Severus. Er wurde von Senat und Volk (senatus populusque Romanus) ihm und seinen Söhnen Caracalla und Geta zu Ehren im Jahre 203 n. Chr. errichtet, um damit deren Siege über Parther, Araber und Assyrer zu feiern.

Der dreiteilige Triumphbogen ist relativ gut erhalten, weil er im Mittelalter in andere, zum Schutz römischer Adliger errichteter Festungsgebäude einbezogen wurde. Er besteht aus drei miteinander verbundenen Toren, ist 25 Meter breit und 23 Meter hoch.

Vom architektonischen Standpunkt aus ist er wegen seiner harmonischen Proportionen bemerkenswert. Über den kleineren Toren sind in vier Marmorreliefs Szenen aus den von Severus geführten Kriegen zu sehen.

Neben dem Triumphbogen des Septimius Severus gibt eine Rundbasis den Umbilicus Urbis an, den Nabel der Stadt, das symbolische Zentrum Roms.

Dahinter befindet sich eine Tuffmauer. Es handelt sich dabei um die Reste der Plattform der antiken Rednertribüne, die 3 Meter hoch, 24 Meter lang und 12 Meter tief war. Sie wurde Rostra (lat. für Schnäbel) genannt, da sie mit den Schnäbeln im Laufe des Latinerkrieges erbeuteter feindlicher Schiffe geschmückt war. Dieser endete 338 v. Chr. mit dem endgültigen Sieg Roms. In der Folge wurde Latium durch verschiedene Verträge an Rom gebunden und erhielt ein beschränktes römisches Bürgerrecht.

Cäsar verlegte die Rostra im Jahr seiner Ermordung (44. v. Chr.) vom Comitium vor der Curia an diese Stelle. Dies geschah im Zuge seiner Umgestaltung des Forum Romanum. 

Die Rostra wurde - wie ganz Rom - unter Kaiser Augustus ausgebaut, der von sich am Ende seines Lebens sagte: „Eine Stadt aus Ziegelsteinen habe ich vorgefunden - eine Stadt aus Marmor habe ich aus Rom gemacht.“

miliarum aureum - der goldene Meilenstein auf dem Forum Romanum

Neben der Rednertribüne stand einst das miliarum aureum (goldener Meilenstein), den Kaiser Augustus hatte errichten lassen. Hier begann die Via Sacra und alle römischen Konsularstraßen. („Alle Wege führen nach Rom!“) 

Auf dem Meilenstein waren in goldenen Ziffern die Entfernungen von Rom zu den verschiedenen Provinzstädten des Römischen Reichs angegeben.



Tempel des Saturn auf dem Forum RomanumDer Tempel des Saturn stammt aus dem Jahr 498 v. Chr. und wurde 42 v. Chr. umgebaut. Im Inneren des Tempels wurde die Statue der ursprünglich etruskischen Gottheit Saturn verehrt. Saturn war lange Zeit oberste Gottheit der Römer. Im Kellergewölbe des Tempels wurde die Staatskasse (aerarium Saturni) aufbewahrt.

Zu Ehren des Saturn wurden die sogenannten Saturnalien gefeiert. Dieses altrömische Fest wurde am 17. Dezember jeden Jahres begangen. Es begann stets vor diesem Tempel. Die Besonderheit des Festes war, dass Sklaven von ihren Herren bedient wurde. Im Laufe der Saturnalien fanden große Gelage statt. Man beschenkte sich aus diesem Anlass mit Kerzen und kleinen Tonfiguren. 

Heute sind noch acht hohe Granitsäulen mit ionischem Kapitell von der Frontseite (pronaos) des Tempels erhalten.

Phokassäule auf dem Forum RomanumWir gehen nun über den 120 Meter langen und 50 Meter breiten Forumsplatz, das eigentliche Zentrum des Forums aus augusteischer Zeit. Darauf erhoben sich Statuen und Denkmäler zu Ehren der Kaiser. So auch die 13 Meter hohe Phokassäule, die 608 n. Chr. zu Ehren des oströmischen Kaisers Phokas als letztes Bauwerk des Forum Romanum errichtet wurde. Auf der Spitze der Säule befand sich ursprünglich ein Standbild des Kaisers.

Basilica Iulia auf dem Forum RomanumWir überqueren nun die Via Sacra, die Straße, auf der nach siegreichen Feldzügen die Triumphzüge stattfanden und kommen zur Basilica Iulia. Dieses 101 Meter lange und 49 breite Areal war die größte Halle auf dem Forum. Sie wurde von 54 v. Chr. bis 44 v. Chr. im Auftrag des Gaius Iulius Caesar an der Stelle eines Vorgängerbaus (der Basilica Sempronia) errichtet. Von dem zweistöckigen, mit Marmor verkleideten Bau sieht man heute nur noch den Boden und einige Säulenbasen.

Die Basilica Iulia dienta als Amtssitz der Magistraten. Bei schlechtem Wetter konnte sie auch Treffpunkt für Händler, Vereine und Kaufleute sein; sie war jedermann zugänglich. Das Gebäude war an allen Seiten von einer weiträumigen überdachten Halle umgeben, die von mächtigen Säulen getragen wurde. Das mittlere Geschoss überragte die seitlichen um ein Stockwerk. Ihr Dach war mit zahlreichen Statuen geschmückt. In den Bodenplatten der Halle sind von römischen Bürgern eingeritzte Spielfelder noch heute erkennbar.

Wir überqueren nun den Forumsplatz, dessen südlichen Abschluss der Tempel des Iulius Caesar bildet. Dieser Tempel wurde an der Stelle errichtet, an der der Leichnam Caesars nach seiner Ermordung kremiert wurde. Noch heute legen Caesar-Fans an dieser Stelle Blumen nieder.

Tempel des Antoninus Pius und der Faustina auf dem Forum RomanumNeben der bereits beschriebenen Basilica Aemilia erhebt sich der Tempel des Antoninus Pius und der Faustina. Er wurde 141 n. Chr. im Gedenken an den Kaiser Antoninus Pius und dessen Gemahlin Faustina errichtet. Die Inschrift nennt Bestimmung und Auftraggeber: „DIVO ANTONINO ET DIVAE FAVSTINAE EX S(enatus) C(onsulto)" - dem göttlichen Antoninus und der göttlichen Faustina auf Beschluss des Senats.

Im 11. Jahrhundert wurde über den Tempelresten die Kirche San Lorenzo in Miranda erbaut. Die barocke Fassade stammt aus dem Jahre 1602. Eine breite Treppe führt von der Via Sacra hinauf auf das Podium. Erhalten sind zehn 17 Meter hohe Säulen der Vorhalle, aus Cippolin gearbeitet und mit korinthischen Kapitellen geschmückt. Für den Besuch Kaiser Karl V. in Rom im Jahre 1536 wurden die Säulen teilweise wieder von den sie umgebenden Mauern der Kirche S. Lorenzo befreit. Besonders schön ist der Fries des Gebälks mit geflügelten Greifen, Kandelabern und weiteren dekorativen Elementen.

Wir gehen an der Rückseite des Tempels des Iulius Caesar vorbei und stehen nun vor den Resten der Regia. Sie war der Amtssitz des Pontifex Maximus, des obersten Priesters. Hier wurden auch die römischen Annalen verfasst und in einem Archiv untergebracht. In ihnen waren die wichtigsten Ereignisse des öffentlichen römischen Lebens aufgezeichnet. Die Regia soll die Residenz des Königs Numa Pompilius, des zweiten Königs von Rom gewesen sein.


Wir überqueren nun den Forumsplatz, dessen südlichen Abschluss der Tempel des Iulius Caesar bildet. Dieser Tempel wurde an der Stelle errichtet, an der der Leichnam Caesars nach seiner Ermordung kremiert wurde. Noch heute legen Caesar-Fans an dieser Stelle Blumen nieder.

Tempel des Romulus auf dem Forum RomanumGegenüber dem Haus der Vestalinnen steht der Rundtempel des Romulus, der als Apsis in die Kirche Santi Cosma e Damiano integriert wurde. Der runde Backsteinbau wurde von Kaiser Maxentius im Jahre 309 n. Chr. für seinen im Knabenalter verstorbenen Sohn Romulus errichtet. Der Tempel ist also nicht dessen Namensvetter, dem sagenhaften Gründer Roms gewidmet. 

Das wohlproportionierte Bauwerk besitzt noch die originalen Bronzetore jener Zeit in einem säulenumrahmten Portal. Selbst das Schloss funktioniert heute noch.

Basilika des Maxentius / Konstantin auf dem Forum Romanum

Neben dem Tempel des Romulus befindet sich die Ruine der Maxentius- oder Konstantinsbasilika. Die grandiosen Reste dieser Basilika, deren Bau von Maxentius in den Jahren 306 - 312 n. Chr. begonnen und von Konstantin vollendet wurde, stellen ein wunderbares Beispiel römischer Baukunst dar. Von rechteckiger Form, dreischiffig, mit Kreuz- und Tonnengewölbe, war diese Basilika für rechtliche und administrative Angelegenheiten bestimmt. Was wir heute noch von dem großartigen Bau sehen, ist nur das rechte Seitenschiff. Die Gesamtgröße des Gebäudes lassen die noch heute erhaltenen Bögen erahnen, die 20,50 Meter breit, 17,50 Meter tief und 24,50 Meter hoch sind.

Vom Doppeltempel der Venus und Roma, geweiht von Kaiser Hadrian im Jahre 136 n. Chr. blieb nur die dem Forum zugewandte Hälfte erhalten. Mit einer Fläche von 110 Meter x 53 Meter war er das größte römische Heiligtum.

Titusbogen - Relief mit Menorah und Schaubrottischen aus dem Tempel von JerusalemDen Abschluss des Forums und der Via Sacra bildet der Titusbogen. Dieser älteste römische Triumphbogen für Kaiser Vespasian und seinen Sohn Titus wurde aus Anlass der Eroberung Jerusalems im Jahre 71 n. Chr. von Domitian, dem Nachfolger des Titus im Jahre 81 n. Chr. errichtet. Das imposante Denkmal wurde im Mittelalter in die Festung der Familie Frangipane eingegliedert, dann unter Papst Sixtus IV. teilweise wieder freigelegt, bis endlich 1821 der Architekt Giuseppe Valadier es vollständig wiederherstellte. Der eintorige Bogen ist architektonisch einzigartig gelöst. Unter der Tonnendecke des Bogens im Bogendurchgang sind die berühmten Reliefs zu sehen, die den Triumphzug des Titus darstellen - Reliefs von höchster Qualität. 

Der Titusbogen stellt für das jüdische Volk ein trauriges Mahnmal dar, weil mit der Eroberung Jerusalems  und der Zerstörung des Tempels die Vertreibung aus Palästina und die Zerstreuung (Diaspora) über die ganze Welt eingeleitet wurde.

Der Geschichtsschreiber Flavius Josephus, der über den Krieg in Judäa berichtete, schrieb: 

„Vielerlei deutlich erkennbare Abbildungen hatten den Krieg in seinen verschiedenen Erscheinungen zum Gegenstand. Da war etwa zu sehen, wie ein reiches Land der Verwüstung zum Opfer fiel, wie eine Masse von Feinden den Tod findet, wie andere die Flucht ergreifen, wieder andere in Gefangenschaft geraten, wie gewaltige Mauern unter den Stößen der Rammböcke bersten, wie das Heer nach innen strömt und überall ein Blutbad anrichtet. Man erkannte die wehrlosen Menschen, wie sie mit erhobenen Händen um Gnade bitten, wie zusammenbrechende Häuser ihre Bewohner unter sich begraben. [...] So hatten die Juden all diese Gräuel durch den von ihnen verursachten Krieg entfesselt.“ (De bello Iud. VII 5)

Die Niederlage des besiegten Volkes, der Triumph des römischen Heeres unter seinem Feldherrn, die Gefangenen und reiche Beute, der umjubelte Zug auf das Kapitol - all das sind Themen des bildlichen Schmucks der Reliefs im Bogendurchgang.

Durchschreitet man den Bogen, gelangt man zum Kolosseum, dem wohl eindrucksvollsten Bauwerk der Flavier Vespasian, Titus und Domitian. Es wurde aus den erbeuteten Mitteln des Judäischen Krieges erbaut.

Titusbogen auf dem Forum Romanum

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© Sebastian Buck, antike-christentum.de